Rückkehr zu kostenlosen Corona-Bürgertests

Die Strategien zur Eindämmung des Corona-Virus wurden seit Anbeginn der Pandemie mehrmals geändert. Nachdem sich die Regierung dafür entschied, kostenlose Bürgertests am 8. März 2021 einzuführen, wurde dieser Beschluss am 11. Oktober wieder aufgehoben. Nun hat sich dies abermals geändert. Seit Samstag, den 13. November kann man sich wieder kostenlos testen lassen und alle haben einen Anspruch darauf. In diesem Artikel fassen wir alle wichtigen Informationen zusammen.

Die Bundesregierung berichtet auf Ihrer Homepage, dass sich alle Bürger Deutschlandsunabhängig von ihrem Impf- beziehungsweise Genesenenstatus – seit Samstag wieder kostenlos auf das Coronavirus testen lassen können. Es handelt sich dabei um mindestens einen Antigen-Schnelltest (PoC-Test) pro Woche, egal, ob die Personen Symptome haben oder nicht. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn unterzeichnete die Verordnung dazu. Laut ihm müssen wir alles tun, um die Dynamik der vierten Pandemie-Welle zu durchbrechen, sonst werde es ”für das ganze Land ein bitterer Dezember”. Vorerst sollen die Corona-Tests bis Ende März 2022 kostenlos bleiben.

Warum wurden die kostenlosen Bürgertests am 11. Oktober abgeschafft?

Begründet wurde die Abschaffung der kostenlosen Tests mit dem niederschwelligen Impfangebot, sodass es genug Impfstoff für jede:n gab. Somit hatten alle die Möglichkeit, sich impfen zu lassen. Für Menschen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können, für Kinder unter 12 Jahren und übergangsweise sowohl für 12- bis 17-Jährige als auch für Schwangere blieben die Schnelltests weiterhin kostenlos.

Aufgrund der bis dahin recht niedrigen Impfquote sollte die Abschaffung der kostenlosen Bürgertests auch einen Anreiz zur Impfung schaffen. Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten entschieden im August, das kostenlose Testangebot am 11. Oktober aufzuheben. 

Jens Spahn erklärte im Oktober: “Kostenlose Bürgertests abzuschaffen, gebietet die Fairness vor dem Steuerzahler”. Separat erfasst wurden die Bürgertests durch die Kassenärztliche Bundesvereinigung Anfang Juli. Das Ergebnis: mehr als 870 Millionen Euro wurden für die kostenlosen Bürgertests abgerechnet.

Gründe für die Wiedereinführung der kostenlosen Tests

Aktuell sind in Deutschland 67,76 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft. Doch die Zahl der Neuinfektionen ist höher als je zuvor. Die 7-Tage-Inzidenz steigt rapid an und weist einen Wert von 340,6 auf, die Krankenhäuser warnen vor Überlastungen. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer, stellte fest: „Das Auslaufen der Kostenübernahme für Corona-Bürgertests hat augenscheinlich nicht dazu geführt, Impfunwillige zu einer Impfung zu motivieren.“

Der Bundesgesundheitsminister betonte: „Impfen macht den entscheidenden Unterschied – das gilt auch weiterhin – aber es braucht Zeit, bis es seine volle Wirkung entfalten kann. Deswegen müssen wir in dieser Lage rasch wieder mehr testen. Dazu ist vereinbart, dass wir die kostenlosen Schnelltests wieder einführen.“ Laut neuer Verordnung gelten auch bereits geimpfte und genesene Personen als relevant, denn auch sie können das Coronavirus übertragen und “damit eine Gefährdung insbesondere für vulnerable Personengruppen darstellen“.

Im Herbst und Winter finden durch die Kälte viel mehr Veranstaltungen und Aktivitäten in Innenräumen statt, für die Eindämmung des Corona-Virus seien kostenlose Testangebote nötig, so Reinhardt. Eine Infektion kann durch eine Testung erkannt und damit Infektionsketten durchbrochen werden.

Testungen zur Eindämmung des Corona-Virus

In der Strategie zur Pandemie-Eindämmung im Herbst und Winter wird den Tests zudem eine größere Rolle zugesprochen, denn immer mehr Zugangsregeln gelten nun. Sei es die 3G-Regelung am Arbeitsplatz, durch die nur geimpfte, genesene und getestete Mitarbeitende Zutritt zum Arbeitsplatz haben, oder die 2G-plus-Regel, bei der nur geimpfte und genesene Personen einen Zutritt zu öffentlichen Veranstaltungen bekommen, die zusätzlich getestet sind. Laut Spahn seien die Regeln bisher zu oft nicht kontrolliert worden. Erforderlich ist also auch, dass zuverlässig kontrolliert wird, nur so gibt es die Möglichkeit, dem Virus den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Ebenfalls für kostenlose Tests sprach sich Hendrik Wüst, der Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens, aus – jedoch unter der Bedingung, dass diese nur für Geimpfte und Genesene gratis seien. Die kostenlosen Schnelltests würden Geimpften und Genesenen mit weniger finanziellen Mitteln den Schutz vor dem Virus erleichtern, während Ungeimpfte weiterhin einen Anreiz zum Impfen hätten, so Wüst.

„Die meisten Besucher der Teststellen sind nach unseren Erkenntnissen schon zweimal geimpft, durch einen Bürgertest wollen sie sich, ihren Familien und Freunde mehr Sicherheit gewährleisten“, erläuterte Thomas Preis, Chef des Apothekerverbands Nordrhein.

Wo kann man sich testen lassen?

Da die Schnelltests seit Mitte Oktober nur noch in Ausnahmefällen kostenlos waren, mussten durch die Einstellung der Finanzierung viele Teststationen schließen. Aktuell können Teststellen, die bereits bestehen, ihre Arbeit einfach fortsetzen. Zusätzliche Testzentren können von den Ländern beauftragt werden. Die Anwendung und Auswertung findet dann vor Ort von geschultem Personal statt. Spahn geht davon aus, dass das Testangebot vor Ort ausgeweitet werde. Die Bundesregierung möchte zusätzlich zu den Teststationen Drogerien und Sanitätshäuser mit den Corona-Tests beauftragen.

Vielerorts werden große Anstürme auf die Teststellen erwartet. Auch Holger Rostek, Vizechef der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg, rechne damit, da zirka 40 Prozent der ehemaligen Teststellen geschlossen worden seien. Er forderte dazu auf, sich nicht bei Hausärzten testen zu lassen, da diese sich auf die Corona-Impfungen konzentrieren müssten.

Gabriel Hesse, Brandenburgs Pressesprecher des Ministeriums für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz, forderte auch geimpfte Personen auf, sich beispielsweise vor privaten Feiern testen zu lassen, da man so sich selbst und andere schütze. Mehr Tests seien laut ihm nötig, um die Ausbreitung des Virus zu stoppen.

Viele Menschen sind unwissentlich mit dem Virus infiziert. Durch die Bestätigung eines positiven Ergebnisses müssten diese Personen in Quarantäne und könnten so andere schützen.

Kritik zur Rückkehr der kostenlosen Bürgertests

Markus Wendler betreibt sieben Testzentren in Bielefeld und Osnabrück. Er kritisiert das “politische Hin und Her”, das “zu dynamisch” sei. „Es ist eine unfassbare Kurzsichtigkeit der Politik und anderen Redenschwingern. Vor drei Wochen wurde vom Freedom Day gesprochen. Nun müssen wir spontan agieren, um weiterhin eine gesicherte, qualifizierte Testung umzusetzen.“, so Wendler. Die Erhöhung der Kapazitäten würde mit einem Chaos einhergehen. „Wir mussten Personal reduzieren, als die Tests nicht mehr kostenlos waren und die Resonanz abnahm. Aber wir wollten die Infrastruktur mit unseren Zentren möglichst weiter laufen lassen.“ 

Auch Eugen Brysch, der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz kritisierte die einmonatige Abschaffung der kostenlosen Bürgertests. Laut ihm sei dies “eine der dümmsten Entscheidungen in der Pandemie” gewesen.Die finanziellen Aspekte der Wiedereinführung kostenloser Tests für alle kritisierte CDU-Fraktionschef Alexander Funk. Die Tests seien nicht kostenlos, letztlich würde der Staat – und dementsprechend die Allgemeinheit – die Kosten tragen.